Wintersport im Lockdown: stay home or stay cautious?

Endlich ist er da -der Winter auf den wir so sehnsüchtig gewartet haben, Ski und Splitboard stehen für die nächste Tour bereit!
Mit dieser Idee sind wir aber nicht allein: Nach Schätzungen des Deutschen Alpenvereins hat sich die Zahl der Skitourengeher mit mehr als einer halben Million in Deutschland seit 2004 vervierfacht und es wird in Zukunft ein weiterer Anstieg erwartet.
Kaum verwunderlich, so lassen sich durch diese Sportart jegliche Bedürfnisse nach Bewegung, Naturerlebnis, Nachhaltigkeit und geselligem Beisammensein miteinander verbinden -die Sehnsucht danach ist in Zeiten von Corona besonders groß!
So wurde in den letzten Wochen von den Medien wiederholt von einem regelrechten „Ansturm“ auf die Berge und ländliche Regionen berichtet, sowie von Konflikten, die sich zunehmend zwischen Einheimischen und Tagestouristen aus der Großstadt abgespielt haben -sollen wir also lieber zuhause bleiben?

INTERVIEW MIT RIDER MAX KRONECK

Um diese Frage besser für uns beantworten zu können, haben wir einen unserer Rider sowie Bergführer in Ausbildung Max Kroneck zu dieser Thematik befragt. Max ist nicht nur leidenschaftlicher Outdoorsportler, sondern auch Fotograf und Filmregisseur. Vielleicht ist er Euch bereits durch seinen Film “Eis & Palmen” bekannt.

Hi Max, kannst du dich in ein paar kurzen Sätzen vorstellen?

Hoi, ich bin Max 😉 Ich spiele gerne draußen, vor allem in den Bergen auch wenn ich schon lange nicht mehr im Kindesalter bin. Mit welchem Spielzeug ich am liebsten spiele ist schwer zu sagen, aber sicher ist, dass ich gerne mit dem Radl zum Spielen fahre und alles mitnehme was ich brauche.

Das Skitourengehen erfreut sich immer größerer Beliebtheit, aber vor allem jetzt in Coronazeiten ist ein besonders großer Ansturm von Tourengehern zu beobachten. Was geht dir als leidenschaftlicher Wintersportler aber auch aus Sicht eines angehenden Bergführers durch den Kopf wenn du aktuelle Bilder von überfüllten Bergen und Pisten siehst?

Skitouren gehen ist wunderschön, das kann man Niemanden verschweigen. Auch ich trage meinen Teil dazu bei andere Leute zu dieser Faszination anzustiften. Natürlich erschreckt man sich erstmal, wenn man solche Bilder sieht, allerdings bringt ein „normales“ Skigebiet mit geöffneten Bahnen und Co.meiner Meinung nach ein größeres Risiko mit sich. Es ist mehr die Sache, dass wir Skitourengehen mit „einsamen“ Spurenziehen assoziieren, obwohl wir gerade sehen, dass es sehr gut als ruhigere Alternative zum Skizirkus funktioniert. Allerdings drängt sich natürlich auch die Frage auf, was passiert wenn die „Masse“ an Tourengehern demnächst fernab von Pisten im freien Gelände unterwegs ist.

Sind Pistentouren also deiner Meinung nach für all diejenigen die neu in diese Wintersportart einsteigen eine sichere Alternative zu Touren im freien Gelände?

Klar macht es Sinn nicht gleich im freien Gelände zu starten. Allerdings sind die Pisten auch nicht zu unterschätzen und gerade in Coronazeiten gibt es ein paar Regeln die jeder beachten sollte (die mit dem Abstand, sollte sich aber schon rumgesprochen haben). Dazu gehört, dass man sich an die regulären Öffnungszeiten der Skigebiete hält. Denn zum Einen werden die Pisten auch jetzt teilweise präpariert, zum Anderen braucht auch das Stücklein Natur zwischen den Pisten unbedingt seine Ruhezeiten: Vor allem in der Nacht und Dämmerungszeit. Und klar, wenn es ausgeschriebene Aufstiegsrouten, bzw. gesperrte Routen gibt, stehen auch hier die Schilder nicht umsonst rum – Das Wild dankt und auch ihr werdet euch bedanken nicht in die Nähe eines peitschenden Stahlseils zu kommen. Und Obacht, so eine Piste kann ganz schön eisig sein; auch wenn es albern klingt, Harscheisen machen hier deshalb häufig mehr Sinn als bei einer Hochtour. Auch weil man sich in Skigebieten beim Aufstieg immer am Pistenrand aufhalten sollte und auf keinen Fall hinter Geländekanten.
Das Gute ist, wenn man diese wesentlichen Dinge beachtet, kann man den Kopf auf einer Pistentour gut frei bekommen und muss sich dennoch nicht um “x” Sachen gleichzeitig kümmern.

Was sind abschließend deine persönlichen Tipps für Tourengeher?

Generell gilt – klein anfangen und sich mit kleinen Schritten weiter hocharbeiten. Natürlich gilt als Grundlage, dass man sicher Skifahren/Snowboarden kann. Das erste Ziel sollte sicherlich eine Pistentour sein und selbst da kann man sich auch erst mal nur den Kinderhang vornehmen. Denn wichtig ist, sich erst einmal mit dem Material vertraut zu machen. Kleiner Tipp: die höchste Steighilfe braucht eigentlich niemand 😉
Und natürlich um so besser, wenn euch Jemand mit Erfahrung ins Tourengehen einführt. Vor allem, wenn es weg von der Piste gehen soll, rate ich jedem, sich einen Profi zu suchen, denn eine Skitour im freien Gelände ist weitaus komplexer als man denkt. Viele Dinge finden oft unterbewusst statt, die man nicht über Bücher oder ein zwei Touren mal eben lernen kann. 

WAS DAS FÜR EUCH BEDEUTET

Um noch einmal auf die eingangs gestellte Frage einzugehen: Ob ihr lieber zuhause bleibt oder den Schnee an der frischen Luft genießen wollt, bleibt letztendlich eure Entscheidung. Wir finden den Trend von dichtgedrängten Menschenansammlungen vor Liftanlagen hin zu gesunder Bewegung in der freien Natur prinzipiell jedoch einen stets Erfreulichen -natürlich unter der Einhaltung gewisser Regeln, auf die auch schon Max im Interview hingewiesen hat.

DARAUF IST ZU ACHTEN

Zu diesen Regeln gehört es Naturschutzgebiete zu achten, Wildruhegebiete zu respektieren, Aufforstungs- und Jungwuchsflächen stets zu umfahren und offizielle Aufstiegs- und Abfahrtsrouten zu nutzen. Denn nur durch den rücksichtsvollen Umgang mit der Natur, können wir diese auch als solche erhalten!

Genauso wie an den Schutz der Natur solltet ihr aber auch an euren Eigenen denken! Denn das Bewegen im alpinen Gelände geht im Winter mit zusätzlichen Herausforderungen einher, welche sowohl Erfahrung als auch Wissen erfordern und voraussetzen.

Deshalb empfiehlt es sich besonders als Neueinsteiger Kurse zu besuchen, die einem das nötige Know-How als Skitourengeher mit an die Hand geben. Dazu gehören u.a. das richtige Lesen eines Lawinenlageberichts, die sorgfältige und risikobewusste Tourenplanung sowie der Umgang mit Notfallausrüstung. Letztere sollte sich außerdem immer im Rucksack eines Tourengehers befinden!

Gerade als Anfänger ist es außerdem sinnvoll, Touren mit erfahreneren Leuten zu gehen, sich langsam heranzutasten und vor allem das eigene Können und die Erfahrung realistisch einzuschätzen.

Auch könnte es angesichts des bestehenden Lockdowns für Entspannung der Konflikte sorgen, euch abseits der gängigen Modetouren nach anderen Routen umzusehen. Dies stellt nicht nur eine Möglichkeit dar euch abseits der Massen zu bewegen, sondern bietet euch auch die Chance selbst neue Orte zu entdecken.

WAS FÜR UNS BESONDERS ZÄHLT

Mehr Miteinander statt Gegeneinander! Die derzeitige Situation macht doch eigentlich nur deutlich, wie sehr uns das Bedürfnis nach Bewegung und der Natur miteinander verbindet. Lasst uns nicht den Spaß an unserer Leidenschaft verlieren, sondern uns vielmehr diese Gemeinsamkeit nutzen um etwas zu bewegen -Protect what you love! Protect Our Winters!

UNSERE TIPPS ZUR VORBEREITUNG AUF DEINE NÄCHSTE TOUR:

  • Für die Theorie: Videoreihe “SicherAmBerg” des Österreichischen Alpenvereins, Vortrag “LawinenUpdate 2020/2021”, Buch “Lawine” von Rudi Mair und Patrick Nairz, “Online Safety Event” von Mammut
  • Für die Praxis: Ortovox Safety Nights, ein-oder mehrtägige Lawinenkurse des DAVs sowie geführte Touren, Lawinencamp Bayern, Umgang mit Notfallausrüstung regelmäßig üben
  • Für eine sorgfältige Tourenplanung: Lawinenlagebericht studieren (z.B. hier https://www.alpenverein.de/DAV-Services/Lawinen-Lage/) , eigenes Können richtig einschätzen, besondere Gefahren beachten, Skitourenführer lesen, risikobewusste Planung, DAV Snowcard für unterwegs
  • Für die Einhaltung von Verhaltensregeln Infos zu lokalen Regelungen einholen, z.B. hier: Skitouren auf Pisten Regelungen in den Alpenländern – Skitouren auf Pisten – Aktiv sein – Bergsport
  • Für die Tour selbst immer Notfallausrüstung dabei haben und vor jeder Tour checken: LVS-Set (Piepser, Schaufel, Sonde), Erste-Hilfe-Set, Handy, Biwaksack

Alle Fotos © Andreas Vigl

Anna-Lena
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