Protect Our Glaciers

Das gemeinsame Warten auf den echten Winter

An manchen Orten in den Alpen ist schon der erste Schnee gefallen, der Winter bahnt sich an. Bei uns kribbelt es da schon so langsam unter den Füßen und Brettern. Die Vorfreude steigt! In der Vergangenheit lag da der Gedanke nah, sich jetzt in der Vorsaison, auf den Weg zum nächsten Gletschergebiet zu machen und die ersten Spuren in den Schnee zu ziehen.

Dieses Jahr machen wir das nicht! Warum wir von POW Germany auf den ersten echten Schnee in tieferen Gebieten warten und wie es um die Gletscher der Alpen steht, erfahrt ihr in diesem Blog Beitrag.

Die Gletscher der Alpen haben sehr wichtige Eigenschaften für die Balance des Ökosystems der Berge. Ein intakter Gletscher wirkt wie ein Spiegel für das eintreffende Sonnenlicht (Rückstrahlvermögen) und reflektiert nahezu 90% davon. Dieses Maß nennt man auch Albedo. Dadurch wird der wärmende Energieeintrag für die Biosphäre durch die Sonnenstrahlen stark verringert. Bezogen auf die Alpen bedeutet es, dass die tiefer gelegenen Gebiete bei intakten Gletschern von einem Anstieg der Temperaturen verschont bleiben würden. Die Schneefallgrenze bliebe also niedrig… 

Gletscher sind gleichzeitig auch ein riesiger Süßwasserspeicher und tragen in den Alpenregionen ganz entscheidend zur Trinkwasserversorgung bei. Aber auch große europäische Flüsse, wie Rhône und Rhein, entspringen in den Alpen. Das Schmelzwasser regelt ihren Wasserstand. Bei zu starker Gletscherschmelze sind massive Überflutungen die Folge.

Das Ökosystem der Berge ist ein äußerst sensibles, das bereits bei geringen Temperaturerhöhungen reagiert. Die Auswirkungen des Klimawandels in den Bergen sind eine Art Frühwarnsystem und die Gletscher sind die Zeugen der Klimaerwärmung. In den Alpen sind es bereits 1,8 bis 2,0 Grad Celsius Erwärmung, also etwa doppelt so hoch wie im globalen Mittel. Damit ist diese Region eine, die am stärksten betroffen ist und auch zukünftig sein wird. 

Die Gletscher der Alpen befinden sich seit einigen Jahren im Rückgang, besonders durch die außergewöhnlich heißen letzten Jahre. Der österreichische Alpenverein hat im Gletscherbericht 2017 den stärksten Gletscherschwund seit 1960 mit einer durchschnittlichen Verkürzung von 25,2 m pro Jahr festgestellt. Dabei hat der ÖAV ein Ranking der Gletscher mit den stärksten Rückgängen erstellt: 

  1. 1. Gepatschferner (Ötztaler Alpen, Tirol): 125 m
  2. 2. Waxeggkees (Zillertaler Alpen, Tirol): 120 m
  3. 3. Winkelkees (Ankogel-Hochalmspitzgruppe, Kärnten): 118,1 m
  4. 4. Alpeinerferner (Stubaier Alpen, Tirol): 95,4 m
  5. 5. Freiwandkees (Glocknergruppe, Kärnten): 89,1 m

Der Triftgletscher im Berner Oberland, einmal 2002 (links) und einmal 2006 (rechts) fotografiert . Der Vergleich zeigt, wie schnell die Gletscherschmelze voranschreitet. Bildquelle: Greenpeace (2012)

Das Bild des Triftgletscher aus der Schweiz zeigt sehr eindrucksvoll und besorgniserregend, wie schnell das Eis eines Gletschers schmilzt. Innerhalb von 4 Jahre kann man hier einen signifikanten Rückgang sehen.

Die Prognosen der Experten sehen bedrohlich aus! Das schweizerische Institut für Schnee- und Lawinenforschung (SLF) aus Davos sagt, dass ohne Klimaschutzmaßnahmen die natürliche Schneedecke der Alpen bis 2100 (nur noch 80 Jahre) um 70% verringert sein wird. Wintersport wird dann nur noch ab 2500m Höhe mit Naturschnee möglich sein! 

Um diese dunkle Prognose zu verhindern, müssen wir gemeinsam als Wintersport und Outdoor Community das sensible Ökosystem Alpen schützen! Daher rufen wir als POW Germany dazu auf Protect Our Winters and Protect Our Glaciers! 

Wir nehmen uns die Aussage von Alpenforscher Werner Bätzing zum Vorsatz: 

“Umweltverträglich ist Skifahren nur dann, wenn man sich auf Naturschnee bewegt“

… und wenn man den Gletschern eine Ruhepause gönnt. Das heißt konkret, nicht bei sommerlichen Temperaturen in München an einem Oktoberwochenende mit Ski oder Board auf eine Gletscher zu fahren, nur weil dort bereits Schnee liegt. Sondern sich nach der Natur zu richten und erst dem geliebten Wintersport nachgehen, wenn auch wirklich Winter ist.

Neben diesem Vorsatz sollte jede/r von uns folgende Punkte beachten um den Winterurlaub nachhaltig zu gestalten:

Umweltfreundliche Anreise

Die An- und Abreise mit Flugzeug und Auto schlägt am stärksten auf die Klimabilanz. Zahlreiche Skigebiete in den Alpen sind mit dem öffentlichen Verkehr erschlossen oder bieten kostenlose Skibusse vor Ort. Ein längerer Skiurlaub am Stück ist zudem klimaschonender als mehrere, kurze Ausflüge. 

Nachhaltige Skigebiete wählen 

Eher umweltfreundlich sind kleinere oder mittlere Skigebiete, die auf künstliche Beschneiung und Neuerschließungen verzichten. In den Alpen haben sich Skigebiete zum Label “Alpine Pearls” zusammengeschlossen, die sich durch gute Anbindung an den öffentlichen Verkehr, den Einsatz erneuerbarer Energien oder Konzepte für sanften Tourismus auszeichnen.

www.alpine-pearls.com  

Zertifizierte Hotels und Pensionen buchen 

Für ressourcenschonende Unterkünfte existieren zahlreiche Gütesiegel wie das Deutsche Zertifikat Viabono, das Schweizer Label ibex fairstay, das Österreichische Umweltzeichen oder die Blaue Schwalbe. 

Ausrüstung mit Bedacht kaufen und pflegen

Ausrüstung, die man bereits besitzt, sollte gut gepflegt werden. Das heißt neu imprägnieren, reparieren und weiter benutzten. Beim Kauf von Helm, Skiern, Snowboard, Schuhen, Jacken, Hosen, Handschuhen, Brillen darauf achten, dass sie ohne giftige Chemikalien und unter fairen Bedingungen hergestellt wurden. Gegebenenfalls kann auch Second Hand Kleidung zurückgegriffen werden, Ebay Kleinanzeigen und Co. haben eine riesige Auswahl.

Einige Hersteller stellen ihre Kleidung in einem „Closed Loop“ System her. Was bedeutet, dass recycelte Materialien bei der Herstellung verwendet werden und dass das Kleidungsstück am Ende seiner Lebensdauer auch wieder recycelt werden kann. 

Regional und lokal einkaufen 

Nach Kanada zum Heliskiing, während die Alpen im Schnee versinken? Keine gute Idee. Anstatt weit zu reisen, empfiehlt sich das Skigebiet vor der Tür – sofern man das Glück hat, in den Alpen zu wohnen. Genauso sollte man im Skigebiet in Restaurants und Hotels auf regionale Produkte achten. Das schont nicht nur das Klima, sondern unterstützt die lokale Landwirtschaft.  

Lasst uns also gemeinsam auf den Naturschnee warten und die Vorfreude weiter steigern, um zu schützen was wir lieben! Die Berge, den Schnee und den Winter.

Quellen: 
Süddeutsche | Alpenverein | Greenpeace | Spiegel

Mats Mosel
Mats Mosel

Mats ist passionierter Outdoor-Sportler und zählt sich zu den Allroundern, völlig egal ob es Surf, Ski, Snb, Kajak, Trail Running oder Tauchen ist, Hauptsache viel Draußen sein! Die Verbindung zur Natur zu erleben, ist es was er immer wieder sucht.
Mats will dabei seinen Alltag mit einem möglichst kleinen sozial-ökologischen Fußabdruck gestalten. Bei POW setzt er seine Leidenschaft dafür ein, die Wunder der Natur zu erhalten und zu schützen.