Nachhaltig unterwegs: Die Reiseabenteuer unserer Volunteers
Warum in den Flieger steigen, wenn das Abenteuer direkt vor der Haustür beginnt? Für den Mobility Month haben wir POW Volunteers gefragt, wie sie ihren Sommer nachhaltig gestaltet haben. Herausgekommen sind sechs ganz persönliche Geschichten vom Unterwegssein.
Mit dem Rad durch Norddeutschland, zu Fuß in die Berge oder mit dem Zug an’s Meer: Diese Reisen zeigen, dass echte Abenteuer weder weit noch teuer sein müssen – nur bewusst. Lass dich inspirieren und finde heraus, wie auch du deinen nächsten Trip umweltfreundlicher gestalten kannst.
Die Mobility Stories unserer Volunteers
Für’s Deep Water Solo nach Mallorca

Hanna, 24
Fundraising und Events in Berlin
Von wo nach wo ging’s?
Von Berlin nach Mallorca
Wie bist du gereist – und warum?
Mit Zug, Flix Bus und Fähre. Auf der Insel dann Öffis, Hitchhiking und ganz viel zu Fuß.
Meine Freundesgruppe und ich wollten schon lange Deep Water Solo klettern gehen und Mallorca erschien dafür perfekt. Dadurch war uns der lange Weg egal und aus Perspektive des Klimawandels war es uns wichtig, nachhaltig zu reisen. Es ist jedoch noch immer ärgerlich, dass die Anreise mit Zug und Fähre deutlich teurer ist als ein Direktflug. Die Anreise haben wir sehr genossen. Wir hatten wunderschöne Stops in Innsbruck, wo wir klettern waren, in Padua, wo ich den leckersten Kaffee meines Lebens getrunken habe, und in Toulon, wo es dann nach einer Nacht schließlich auf die Fähre ging. Dadurch war die Anreise an sich schon Teil des Urlaubs.
Wir wussten vorher nie genau, ob unsere Camp Spots an den Klippen funktionieren und wir Bäume haben, um unsere Hängematten alle aufhängen zu können. Meistens sind wir mit unserem Gepäck, Essen und Wasser für mehrere Stunden gelaufen. Ich war aber überrascht und sehr froh, dass es nie Probleme gab, wir wunderschöne, menschenleere Buchten entdeckt haben und tolle Routen klettern konnten.
Per Bahn & Bike nach Schweden

Fred, 25
Volunteer im Team HPCA
Von wo nach wo ging’s?
Von München nach Stockholm
Wie bist du gereist – und warum?
Im August bin ich dieses Jahr statt nach Italien, Frankreich, Spanien oder Portugal wie sonst meistens, mal von München nach Stockholm gereist.
Die erste Hälfte wurde mit dem Zug bis nach Lübeck überbrückt, aber sobald wir in Schweden angekommen sind, ging’s dann den Rest der Reise auf dem Gravelbike bis nach Stockholm weiter. Die längste Tagestour bis dahin war bei mir ca. 40 km, daher hat man die fünf Tage mit jeweils an die 140 km dann schon etwas am Hintern gespürt.
Echt geil war, dass es in Schweden überall auf der Strecke an Seen oder im Wald kleine Shelter gab, in denen man einfach schlafen konnte. Meist gab es davor auch noch eine Feuerstelle, was dann abends echt gemütlich war.
Dein Tipp für andere?
Wir sind an der Küste entlang gefahren und ich kann die Route allen empfehlen, die mal keinen Bock mehr auf andere Leute haben. Denn es gab oftmals weit und breit keine andere Menschenseele.
Der Weg ist das Ziel: Zum Trekking nach Wales

Benedikt, 29
Von wo nach wo ging’s?
Von München nach Amroth, Wales
Wie bist du gereist – und warum?
Ich bin im September 2024 mit voll gepacktem Rucksack nach Wales aufgebrochen, um den 300 km langen Pembrokeshire Coast Path zu laufen. Für dieses Trekking-Erlebnis habe ich nicht nur aus Umweltgründen Bus und Bahn gewählt, sondern auch weil es so Stück für Stück ins Abenteuer geht und unterwegs schon so viel zu sehen gibt. Um 5 Uhr starte ich in meiner Münchner Wohnung und rolle am selben Tag, abends um 22 Uhr in Amroth, dem Startpunkt der Wanderung, meine Isomatte am Strand aus. 4 x Zug, 1 x Bus und 1 x Taxi (für das letzte Stück) haben mich in einem Tag die 1.500 km getragen.
Gereist bin ich mit dem Interrail-Ticket für die 1. Klasse, ein echt guter Deal. Preislich vollkommen in Ordnung für das, was man bekommt: volle Flexibilität (da keine Zugbindung, somit auch frei in Abreisetag & -zeit), immer einen (ruhigen) Sitzplatz, viel Freiheit, kein Stress. So konnte ich unterwegs auch Paris, London und Swansea ein wenig erleben.
Die einzige Einschränkung sind die notwendigen, zusätzlichen Sitzplatzreservierungen für beispielsweise den TGV nach Paris oder den Eurostar nach London. Aber auch da konnte ich vor Ort auf nette Nachfrage nochmal meine Abfahrtszeiten switchen und meine Zeit auf der Schiene somit gut an meine Pläne anpassen. Der Sicherheitskontrolle für’s Gepäck beim Eurostar sollte man sich bewusst sein.
Dein Tipp für andere?
Abschließend kann ich nur empfehlen, das einfach mal auszuprobieren oder zumindest in der Urlaubsplanung als Option zu recherchieren. Es gibt viel mehr und bessere Zug- wie Bahnverbindungen in die Ferne, als ich es für möglich gehalten habe. Erlebt habe ich unterwegs viel. Darum heißt es vielleicht auch „reisen“ und nicht „da sein“. 🙂
Immer dem Lech nach

Josh, 31
Volunteer im Team HPCA und für Events im Raum MUC
Von wo nach wo ging’s?
Augsburg – Lech Ursprung – München
Wie bist du gereist – und warum?
Mitte August ging es mit einer kleinen Radel Crew als Weekender Gravel-Ride von Augsburg den Lech zu seinem Ursprung hinauf. Die Anreise nach Augsburg startete per Bahn vom Bahnhof München-Pasing; das Deutschland-Ticket in Kombi mit einer Fahrradtageskarte machte die entspannte Anreise am frühen Morgen easy möglich.
Nach einem Espresso in der Augsburger Innenstadt zeigte sich der Lech als zuerst ruhig dahinfließender Strom, der sich im Laufe des ersten Tages mit dem Etappenziel Gemeinde Reutte in einen türkisfarbenen Wildfluss wandeln sollte (canada-vibes!). Dieser begleitete uns den zweiten Tag noch ein schönes Stück weiter, bevor wir am Abend trotz einiger Höhenmeter, aber durchaus guter Verpflegung, in den Ursprung des Lech, den Formarinsee, springen konnten.
Die Rückreise an Tag drei gestaltete sich naturgemäß den Negativ-Höhenmetern als willkommene Ablenkung zur vorherigen Bergwertung. Um den Sonntag und das perfekte Sommerwetter vollends auszunutzen, wurde nach kulinarischem Genuss ab Mittag der Schlussspurt Füssen – München in Angriff genommen, sodass in Summe dann am Sonntagabend knapp 440 km und 3.500 hm in den Büchern zu verzeichnen waren.
Dein Tipp für andere?
Definitiv ein rundum gelungener Kurztrip, der warme Tage und lange Nächte bedarf, sich aber als Kurzurlaub keinesfalls verstecken muss!
Auf zwei Rädern durch vier Länder über die Alpen

Katha, 34
Content/Communications Volunteer
Von wo nach wo ging’s?
Von Murnau nach Bergamo
Wie bist du gereist – und warum?
Mit dem Gravelbike – mit dem Radl über die Alpen zu fahren, stand schon ganz lange auf meiner Abenteuer-Wunschliste.
Geschlafen haben wir am Ende leider nur zweimal im Zelt – einmal bei 8 Grad und Regen im schweizerischen Scuol, und einmal bei sommerlichen Temperaturen direkt am Comer See. Die restlichen Nächte hatten wir uns entweder vorab eine Unterkunft gebucht oder sind in Schweizer 4-Sterne-Hotels abgestiegen (haha, tatsächlich war das in Samedan das einzige Zimmer, das wir im Ort nach langer Suche noch bekommen haben).
Dein Tipp für andere?
Allen, die mit einer Bikepacking-Tour liebäugeln, kann ich nur empfehlen: Probiert’s unbedingt aus! Und: Gute Planung ist die halbe Miete, und flexibel bleiben muss man eh 😉
Im August 2022 konnte ich dann endlich eine Freundin dafür begeistern und wir sind in sieben Etappen über Österreich und die Schweiz nach Bergamo gestrampelt. Da wir beide bis dato eher weniger Berge gefahren waren, haben wir uns eine vergleichsweise einfache, aber nicht minder schöne Route ausgesucht – über Imst, Scuol, St. Moritz, den Berninapass und vorbei am Comer See. Mit 503 km und 5.279 hm auf sieben Tage war das auch relativ entspannt machbar – und am Ende verbringt man trotzdem fast den ganzen Tag im Sattel, die ausgiebigen Kaffee- und Snackpausen sowie Badepausen ausgenommen.
Für mich war es das erste Mal Bikepacking und ich war völlig geflasht, wie toll diese Art des Reisens ist: man ist so langsam unterwegs und sieht so viel mehr, bleibt öfter spontan stehen, kommt unterwegs mit Menschen in Kontakt, fühlt sich am Ende des Tages einfach unbeschreiblich gut, und die Pizza am Abend schmeckt dreimal so lecker. Und: Ich fand es erstaunlich, wie froh man abends darüber ist, endlich am Ziel zu sein und vom Rad abzusteigen – und wie sehr man sich am nächsten Morgen dann schon wieder darauf freut, wieder in den Sattel zu steigen.
Titelbild: @Katha
Bild 1,2,3: @Hanna
Bild 4,5: @Fred
Bild 6,7: @Benedikt
Bild 8,9,10: @Josh
Bild 11,12,13,14: @Katha
Protect Our Winters (POW) ist eine internationale Klimaschutzorganisation, die von der Outdoor- und Wintersport-Community ins Leben gerufen wurde. Sie engagiert sich für den Schutz der Natur vor den Auswirkungen des Klimawandels, indem sie Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zu nachhaltigem Handeln bewegt.