Mailand-Cortina 2026: Lektionen für nachhaltigere Olympische und Paralympische Winterspiele

Die Olympischen und Paralympischen Winterspiele 2026 in Mailand und Cortina fanden in einer Alpenregion statt, die bereits heute stark vom Klimawandel betroffen ist. Trotz dieses fragilen Umfelds und dem Anspruch auf nachhaltigere Spiele wurden Entscheidungen getroffen, die Umwelt, Ressourcen und lokale Gemeinschaften zusätzlich unter Druck setzen.

Bereits im Vorfeld der Olympischen und Paralympischen Winterspiele 2026 haben POW Austria, die Organisation fairplay, POW Switzerland und POW Germany ihre Erwartungen klar formuliert. In einem gemeinsamen Statement wurde dargelegt, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, damit ein Großereignis in einer sensiblen Alpenregion verantwortungsvoll stattfinden kann. Dazu gehörten unter anderem klimafreundliche und emissionsarme Mobilitätskonzepte, nachhaltiger Infrastrukturbau, verbindliche Sponsoring Kriterien, die die Förderung und Ausweitung fossiler Energien ausschließen, sowie ein konsequenter Fokus auf Ressourceneffizienz. Darüber hinaus forderten wir, dass die Spiele eine echte Vorbildfunktion im Klimaschutz übernehmen, Wissen vermitteln und gleichzeitig Menschenrechte respektieren sowie institutionelle Verantwortung übernehmen.

Der Anspruch dahinter war deutlich:

    Aus unserer Sicht sollten die Spiele nicht nur versuchen, weniger schlecht zu sein, sondern aktiv dazu beitragen, den Wandel hin zu einer klimasicheren Zukunft zu beschleunigen. ¹

    Mats Mosel

    General Manager, POW Germany

    Kritik auch aus dem Gastgeberland

    Auch aus dem Gastgeberland Italien äußerte sich der Chapter POW Italy kritisch gegenüber der Organisation. In ihrem Positionspapier hieß es:  „Die Olympischen Winterspiele Mailand-Cortina 2026, die in einer sensiblen Alpenregion stattfinden, die bereits stark vom Klimawandel betroffen ist, hätten ein globales Modell für Nachhaltigkeit und Respekt gegenüber Berggemeinschaften darstellen können – exportierbar und nutzbar für die Organisation zukünftiger Großsportveranstaltungen. Der Organisationsprozess zeigt jedoch mehrere kritische Punkte auf und macht Defizite in Bezug auf Transparenz, Umweltverantwortung und die Einbindung lokaler Gemeinschaften seitens des Organisationskomitees deutlich.“ ²

    Konkret kritisierte POW Italy mehrere Probleme:

    • Bei rund 60 % der Infrastrukturprojekte fehlte eine vorherige Umweltprüfung
    • Informationen über geplante Bauprojekte wurden teilweise sehr spät und intransparent kommuniziert
    • Lokale alpine Gemeinschaften waren weitgehend von Entscheidungsprozessen ausgeschlossen
    • Auch die Mobilitätsstrategie wurde kritisch bewertet:
      • Die Ausgaben für Straßen und Eisenbahnen waren fast sechs mal höher, als jene für die eigentliche olympische Infrastruktur
      • Trotzdem entstand keine langfristige Dekarbonisierungsstrategie für alpine Mobilität
      • Der Transport zwischen den Austragungsorten und die Mobilität zwischen den Tälern bleiben ineffizient

    Olympia im Alpenraum: Konflikte um Natur und Ressourcen

    Besonders Infrastrukturprojekte zeigten Konflikte zwischen den Winterspielen und dem alpinen Naturraum auf, wie beispielsweise der neue Eiskanal in Cortina. Trotz einer bestehenden Alternative, in Igls, wurde eine neue Anlage für 120 Millionen Euro errichtet. Zusätzlich mussten zu diesen hohen Kosten laut Aussagen von Greenpeace rund 800 Bäume gefällt werden. In Livigno wurde für einen neuen Snowpark ein Bergkamm komplett umgestaltet und in Antholz mussten 2,5 Hektar Wald einem Speicherbecken zur künstlichen Beschneiung weichen. ³ Dabei werden Schneemanagement und Beschneiung  auch in Zukunft fester Bestandteil zur Durchführung der Spiele bleiben, wobei potentielle Austragungsorte für Olympische Winterspiele bei steigender Erderwärmung eine Seltenheit werden könnten. ⁴

    Auch Athlet:innen sprechen offen im Rahmen der Spiele über diese Entwicklungen: die US-amerikanische Skirennläuferin Lindsey Vonn beschreibt ihre persönlichen Beobachtungen: „Als Skirennläuferin habe ich aus erster Hand gesehen, was die globale Erwärmung angerichtet hat. Seit ich neun Jahre alt bin, trainiere ich auf Gletschern und die meisten der Gletscher, auf denen ich früher gefahren bin, sind heute praktisch verschwunden.“ ⁵ Auch der australische Freestyle-Skifahrer Jackson Harvey warnt mit Blick auf kommende Generationen: „Wenn wir nicht endlich handeln, wird die nächste Generation und die danach viele dieser Möglichkeiten gar nicht mehr haben.“ ⁶

    Der Blick nach vorn: Frankreich 2030

    Mit dem Ende von Milano-Cortina richtet sich der Blick nach Frankreich, wo 2030 die nächsten Winterspiele stattfinden sollen. Auch dort gibt es bereits Kritik bezüglich des bisherigen Planungsprozesses, da die Bevölkerung bisher kaum involviert wurde. POW France hat im Zuge dessen bereits die erste Olympische Bürger*innen-Konvention (Convention Citoyenne Olympique) gegründet, in der konkrete Vorschläge für nachhaltige Spiele mit langfristigem Nutzen entwickelt wurden.⁷ Gemeinsam mit Wissenschaftler*innen und Umweltorganisationen schlug POW France 17 Maßnahmen für nachhaltigere Olympische Spiele vor. Außerdem stehen die Beteiligten im engen Austausch mit Institutionen wie dem Élysée-Palast, dem Französischen Nationalen Olympischen Komitee, dem IOC, sowie Regierungsvertreter*innen.⁸

    Wie Antoine Pin, Vorstand von POW France, kürzlich betonte: „Die olympische Bewegung hat eine einzigartige Chance zu zeigen, dass sich Sport und Nachhaltigkeit gemeinsam weiterentwickeln können. Indem das IOC Worte und Taten in Einklang bringt, kann es nicht nur die Zukunft der Spiele schützen, sondern auch die Zukunft des Winters selbst.“ Gleichzeitig bieten Olympische Spiele eine wichtige Möglichkeit, Nachhaltigkeit international sichtbar zu machen und als Beispiel für umweltverträgliche Großveranstaltungen zu dienen.

    Die Olympischen Winterspiele haben gezeigt, wie wichtig Engagement für die Zukunft des Wintersports ist. Möchtet ihr Teil der Lösung sein? Dann werdet Teil der POW Community!

    Du willst noch mehr zum Thema lesen? POW EU hat ebenfalls einen Blogbeitrag dazu veröffentlicht. Es lohnt sich, hier mal reinzuschauen.

    POW Germany

    Protect Our Winters (POW) ist eine internationale Klimaschutzorganisation, die von der Outdoor- und Wintersport-Community ins Leben gerufen wurde. Sie engagiert sich für den Schutz der Natur vor den Auswirkungen des Klimawandels, indem sie Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zu nachhaltigem Handeln bewegt.