El Niño und La Niña – ein faszinierendes Naturduo

Vielleicht hast du bereits davon gehört: Aktuell sind El Niño-Bedingungen am Werk. Doch was steckt eigentlich dahinter? El Niño ist ein Klimaphänomen, das das Wetter weltweit beeinflussen kann – von extremer Trockenheit über Hitzewellen bis hin zu starken Regenfällen. Der Grund? Im Ostpazifik bildet sich eine ungewöhnliche Wärmeanomalie. El Niño tritt zwar unregelmäßig auf, doch in einem Rhythmus von zwei bis sieben Jahren können wir seine Rückkehr erwarten. Die Dauer? Von wenigen Monaten bis zu mehreren Jahren, im Durchschnitt rund 12 Monate.

La Niña hingegen ist das genaue Gegenstück – eine Kälteanomalie, die zuletzt von 2020 bis Anfang 2023 zu spüren war. Wo es extreme Gegensätze gibt, existiert auch eine Mitte – die sogenannte neutrale Phase. Alle drei zusammen werden liebevoll als ENSO (El Niño/Southern Oscillation) bezeichnet.

Was wir darüber wissen

In El-Niño-Jahren schwächeln die Passatwinde, die ENSO entlang des Äquators antreiben und durch Luftdruckunterschiede dies- und jenseits des Pazifiks entstehen. Das hat zur Folge, dass im Ostpazifik über eine riesige Fläche warmes Oberflächenwasser vor sich hindümpelt. Das Fehlen von aufsteigendem kalten Tiefenwasser bedeutet weniger Plankton, mehr Algen, weniger Sauerstoff für Fische und somit einen Rückgang des Fischreichtums.

Besonders betroffen ist der tropische Pazifikraum mit gefährlichen Stürmen und extremen Regenfällen. Australien, Indonesien, südliches Afrika und Teile Südasiens leiden hingegen unter langanhaltender Dürre mit steigender Waldbrandgefahr. Auch in Brasilien und dem nördlichen Teil Südamerikas wird es trockener, ebenso im mittleren Westen der USA. 

Und Europa? Zwar werden geringfügige direkte Auswirkungen auf das Wetter angenommen, wie etwas mehr Regen in Mittel- und Südeuropa und weniger in Skandinavien, aber dies ist noch nicht ausreichend wissenschaftlich belegt. Indirekt beeinflusst uns El Niño jedoch durch die insgesamt steigenden globalen Temperaturen, die zu vermehrten Extremwetterlagen führen können. Durch die globalisierte Wirtschaft auch ökonomische Folgen in Europa auftreten können, denn die Auswirkungen von marinen Hitzewellen im Pazifik und Dürren sowie Überschwemmungen auf die Landwirtschaft haben auch hier ihre Spuren hinterlassen. 

ENSO ist ein seit jeher bekanntes, nicht menschengemachtes, periodisch wiederkehrendes Klimamuster. Wie es jedoch mit dem Klimawandel interagiert, ist noch nicht vollständig geklärt. Es wird angenommen, dass die Kombination von El Niño und dem Klimawandel zu bisher unbekannten Temperaturen führen könnte.

Und jetzt?

Zur Erinnerung: La Niña hat sich im März 2023 verabschiedet, wodurch die bisherige globale Erderwärmung aufgrund des Klimawandels noch deutlicher wurde. Laut Copernicus.eu war 2023 das heißeste Jahr und kratzte bereits an der 1,5° C-Grenze – dem Ziel des Pariser Klimaabkommens. El Niño wird voraussichtlich bis März 2024 anhalten und sich ab April 2024 langsam wieder normalisieren (1). 

Diese Klimaextreme verändern natürlich auch unsere Winter. Zeit, sie zu schützen.

Elisabeth Mansel

Elisabeth Mansel

Eli setzt sich mit POW dafür ein, andere für aktiven Klimaschutz zu gewinnen. Außerdem liebt sie es, draußen zu sein und trägt die Flüsse, Wellen und Gipfel stets in ihrem Herzen. Ihre Vision ist es, zusammen als Gemeinschaft mehr Harmonie zwischen Mensch und Natur zu schaffen