Vom Nachtzug auf die Piste: Nachhaltig in den Skiurlaub

Ohne Auto in den Skiurlaub? Hier sind 6 Möglichkeiten, wie du ganz entspannt mit dem Nachtzug zum Wintersport kommst. Von den Alpen über die Hohe Tatra bis ins schwedische Fjäll.

Gletscher schmelzen dahin, die Winter werden immer kürzer und milder – nirgendwo in Europa kann man die Folgen der Klimakrise jetzt schon besser spüren als in den Bergregionen. Selbst in den Skigebieten Skandinaviens geht heute kaum noch etwas ohne Schneekanone.

Kann man in diesen Zeiten überhaupt noch guten Gewissens in den Skiurlaub fahren?

„Im Vergleich zu anderen Sportarten müssen wir uns die Kritik gefallen lassen, dass der Wintersport einen großen CO2-Fußabdruck hat“, sagt Sören Fechner von Protect Our Winters. Gemeinsam mit seinen Mitstreitern aus der Ski- und Snowboard-Szene setzt sich Fechner für einen nachhaltigen Wintertourismus ein.

Der Schlüssel liegt für sie in der Wahl des Verkehsmittels für die Hin- und Rückfahrt. 

„Der weitaus größte Teil der Emissionen fällt nicht vor Ort im Skigebiet an, sondern bei der individuellen Anreise mit dem Auto“, erklärt Sören Fechner. „Wer hingegen auf den öffentlichen Verkehr setzt, kann seinen Klima-Fußabdruck um mehr als die Hälfte verringern.“

Der Klimawandel bedroht unsere Leidenschaft, unseren Sport, unseren Winter

Sören Fechner, Protect Our Winters Germany

Und tatsächlich: Bei einer einwöchigen Skireise von Dresden nach Vorarlberg entfallen 70 Prozent der gesamten CO2-Emissionen auf die Anreise mit dem Auto, wie der WWF in einer Studie vorrechnet.

Zum Glück gibt es einen eleganten Weg, klimafreundlich in den Skiurlaub zu reisen: den Nachtzug. Mit Nachtzügen bist du nicht nur mit gutem Gewissen unterwegs, sondern auch bequem und zeitsparend. Statt Stunden auf der Autobahn zu verbringen, steigst du abends gemütlich ein und stehst schon am nächsten Morgen auf der Piste.

In diesem Artikel haben wir saisonale Nachtzüge und Kombi-Angebote gesammelt, die dich entpsannt und preiswert in den Skiurlaub bringen – ob in die Alpen, die Hohe Tatra oder sogar ins schwedische Fjäll.

ÖBB Rail Tours: „Im Nightjet zum Schnee“ nach Tirol 

Seit Erfindung des Nightjet ist Österreich nicht nur führende Skination, sondern auch Nachtzug-Land Nr. 1 in Europa. Kein Wunder also, dass ÖBB Rail Tours mit dem Kombiticket „Im Nightjet zum Schnee“ ein besonderes Angebot für Skifahrer an den Start bringt

Damit kommst du bequem und günstig in vier beliebte Tiroler Skigebiete. Enthalten sind die Hin- und Rückreise mit dem ÖBB Nightjet von HamburgDüsseldorf oder Wien, der Bustransfer ins Skigebiet, ein Skipass für 3 bis 6 Tage, sowie ein ermäßigter Skiverleih.

Das Grundangebot umfasst die Fahrt im Sitzwagen inklusive Reservierung. Für einen Aufpreis gibt es einen Platz im Liegewagen (6- oder 4-Bett-Abteil) mit kleinem Frühstück. Die Fahrt im Schlafwagen ist beim Nightjet zum Schnee hingegen nicht vorgesehen.

Mit dem Urlaubs-Express entspannt in die Alpen

Ebenfalls nach Tirol geht es für Wintersportler aus Nord- und Westdeutschland mit dem Urlaubs-Express. Der private Nachtzug verkehrt einmal wöchentlich nach St. Anton am Arlberg. Über eine Anschlussverbindung wird außerdem das Skigebiet Zell am See-Kaprun angebunden. 

Der Urlaubs-Express macht sich freitags in zwei Teilen auf die Reise: ab Hamburg-Altona über Bremen, Hannover und Göttingen („Ski-Zug Nord“), sowie ab Münster über Dortmund, Köln und Koblenz („Ski-Zug West“). In Würzburg werden beide Zugteile vereint und erreichen ihr Ziel St. Anton über München und Innsbruck. Auf die Rückfahrt geht es in der Nacht von Samstag auf Sonntag.

Tipp: Auf der Relation Hamburg–München bietet der Urlaubs-Express auch einen Autotransport an.

In beiden Zugteilen gibt es Sitzwagen und Liegewagen mit 4-Bett-Abteilen. Ab Hamburg bietet der Urlaubs-Express außerdem Schlafwagen mit Abteilen bis 3 Personen an. Mit an Bord ist ein Clubwagen, in dem sich der Abend bei Getränken und kleinen Snacks ausklingen lässt.

Alpen-Express: Der holländische Weg zum Skivergnügen

Skiurlauber aus den Niederlanden haben naturgemäß eine lange Anreise. Die Bahnagentur Treinreiswinkel hat daher den Wintersportzug „Alpen-Express“ ins Leben gerufen. Seit 2016 verbindet der er Den Haag, Amsterdam und Eindhoven mit den beliebtesten Skigebieten Österreichs.

Weil der Alpen-Express in Köln Station macht, ist der saisonale Nachtzug auch für Skifans aus Deutschland ein interessantes Angebot.

Die Endstationen des Alpen-Express, der in zwei Zugteilen verkehrt, heißen Bludenz und Bischofshofen. Hin geht es freitags, zurück am Samstag, dazwischen liegen acht volle Pistentage. Über die diversen Zwischenhalte und einen optionalen Bustransfer lassen sich insgesamt 20 Wintersportgebiete erreichen. 

Der Alpen-Express verfügt über Liegewagen und Schlafwagen, die BahnTouristikExpress aus Nürnberg stellt. Ein wichtiger Bestandteil ist außerdem der Barwagen, in dem die Après Ski Party bis 0:30 Uhr steigt. Aber keine Sorge: In den anderen Wagen gilt ab 22 Uhr Nachtruhe.

Mit Snow’n’Rail in die beliebtesten Skigebiete der Schweiz

In der Schweiz gibt es keine direkten Nachtzüge in die Skiorte. Dafür haben die SBB mit Snow’n’Rail ein Winter-Angebot geschaffen, dass sich perfekt mit der Anreise im Nachtzug nach Basel und Zürich verbinden lässt.

Snow’n’Rail umfasst eine vergünstigte Fahrt von einem beliebigen Bahnhof der Schweiz in insgesamt 29 Skigebiete. Dazu gibt es einen Skipass für 1, 2 oder 6 Tage, sowie 15 Prozent Rabatt beim Skiverleih. Mit dem Gepäck-Specialprofitierst du außerdem vom kostenlosen Transport deines Gepäcks in ausgewählte Unterkünfte.

Mit dem ÖBB Nighjet geht es täglich von Hamburg, Berlin, Wien und Graz in die Schweiz. Weitere Nachtzüge sind außerdem ab Prag (über Linz), Budapest (über Wien) und Zagreb (über Villach) unterwegs.

ČD Ski: Nachtzug in die Hohe Tatra

24 Gipfel über 2.500 Meter – die Hohe Tatra, auch bekannt als „kleinstes Hochgebirge der Welt“, muss sich keineswegs vor den Alpen verstecken. Mit dem Angebot „ČD Ski“ bringt dich die tschechische Eisenbahn bequem über Nacht von Prag in die faszinierende Bergwelt der Slowakei.

Und das funktioniert so: Mit dem Nachtzug EN 443 „Slovakia“ geht es von Prag nach Štrba an den Fuß der Berge. Dort wartet bereits die elektrische Zahnradbahn in den berühmten Wintersportort Štrbské Pleso, mit 1.346 Metern über dem Meer der höchste in der Hohen Tatra. 

Tipp: Von Dresden nach Prag sind es mit dem tschechischen Eurocity nur 2:26 Stunden – natürlich mit Speisewagen. Reisekultur pur!

Mit 6 Liften und 9 Kilometern Piste von leicht bis mittelschwer eignet sich das Skigebiet Štrbské Pleso perfekt für ein entspanntes Wochenende. Mit ČD Ski erhälst du 20 Prozent Rabatt auf den 2-Tages-Skipass, sowie die Ski-Ausrüstung am zweiten Tag gratis. Dazu musst du lediglich dein Zugticket mit dem Ziel Štrba vorlegen.

Schweden: Mit dem Snälltåget nach Åre und Vemdalen

Zum Schluss blicken wir in den hohen Norden. In Schweden betreibt Snälltåget einen Winter-Nachtzug von Malmö in die beliebtesten Skiorte der Region Jämtland. Dort gibt es nicht nur aus dem Weltcup bekannte Abfahrtspisten, sondern – wie es sich für Skandinavien gehört – auch hunderte Kilometer feinster Langlauf-Strecken.

Und das ist auch aus deutscher Sicht interessant: Von Hamburg nach Malmö geht in fünfeinhalb Stunden – mit nur einem Umstieg in Kopenhagen.

Der Nachtzug ins Fjäll verkehrt zweimal in der Woche über Stockholm nach ÅreDuved und Storlien. Mit dabei sind außerdem Kurswagen nach Vemdalen. Diese fahren ab Östersund über die Inlandsbahn nach Röjan, von wo es dann mit dem Bus auf die letzten Kilometer geht.

Tipp: Auch zur Wandersaison im Herbst mach sich der Snälltåget auf den Weg nach Jämtland.

Im Snälltåget gibt es generell nur Liegewagen mit 6-Bett-Abteilen. Wer es privater mag, kann ein ganzes Abteil für sich oder seine Familie buchen. Auch für das leibliche Wohl ist gesorgt: Im Speisewagen „Krogen“ werden schwedische Hausmannskost und Frühstück serviert.

Alex
Alex